Open Intelligent UI: Die Open-Source-Alternative zu ChatGPTs Intelligent UI

Raster aus durchscheinenden Glasfliesen auf einem dunklen Tisch, einige von unten beleuchtet
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„Today, we’re releasing Open Intelligent UI – the open-source alternative to ChatGPT’s Intelligent UI.“ Mit diesem Satz beginnt die Ankündigung von Anmol Baranwal und Eli Berman vom 9. Oktober 2026 im Blog von CopilotKit. Es ist also der Anbieter selbst, der hier sein neues Open-Source-Projekt vorstellt und am Ende Gespräche mit den eigenen Ingenieuren anbietet. Dahinter steht ein Befund: OpenAI hat Intelligent UI ausgerollt, und ChatGPT antwortet seither mit Diagrammen, Karten und Werkzeugen, die sich tatsächlich bedienen lassen – ein Agent baut Benutzeroberflächen auf Anfrage, direkt im Chat. Das funktioniert gut. Es bleibt aber ein geschlossenes Zimmer: es läuft nur auf OpenAIs Modellen, nur innerhalb von ChatGPT, und es gibt keine Schnittstelle, um es in ein eigenes Produkt zu holen.

Diese Lücke will das neue Projekt füllen. Der Anspruch der beiden Autoren: dieselbe Erfahrung im eigenen Produkt, mit jedem Agenten über das Protokoll AG-UI, mit jedem Modell, als Open Source, gebaut aus Komponenten, die es im Projekt schon gibt. Wer an einem agentischen Produkt arbeitet, merkt schnell, worum es geht – nicht darum, ob ein Agent eine Oberfläche zeichnen kann, sondern darum, ob sie nach dem eigenen Produkt aussieht. Dazu ein Bild, das sich durch den Text zieht.

Man kann sich das wie eine Küche mit einem Gastkoch vorstellen. Er kocht hervorragend, erfindet Gerichte, die auf keiner Karte stehen, und bringt sie fertig an den Tisch. Nur bringt er sein eigenes Geschirr mit: fremde Teller, fremdes Besteck, fremde Gläser. Das Essen ist großartig, der Tisch wirkt trotzdem wie eine Leihgabe. Die Frage ist also nicht, ob der Gastkoch gut kocht. Sie ist, ob er mit dem Geschirr arbeitet, das im Schrank steht.

Was ChatGPTs Intelligent UI liefert – und wo es endet

OpenAI hat mit Intelligent UI etwas ausgerollt, das die Erwartungen verschiebt. Ein Nutzer stellt eine Frage und bekommt keine Textwand, sondern eine Antwort in der passenden Form: ein kurzer Fakt bleibt Text, ein Trend wird zum Diagramm, ein Ablauf zum Schema. Dazu Karten mit echten Standorten, Werkzeuge, die sich bedienen lassen, Rechner, Spiele, Simulationen. Der Agent entscheidet nicht nur, was er antwortet, sondern auch in welcher Form.

Für Nutzer ist das bequem. Für Produktteams ist es eine Ansage, denn die Erwartung wandert mit. Wer Claude mit Artifacts oder ChatGPT mit Intelligent UI benutzt hat, erwartet dieselbe Reaktionsfähigkeit von jedem agentischen Produkt. Die Grenze liegt aber nicht in der Funktion, sondern im Zugang. Es gibt keine offene Schnittstelle, die solche Oberflächen in eine fremde Anwendung trägt, die Modellwahl ist vorgegeben, und der Ort bleibt eine einzige Anwendung.

Was Open Intelligent UI kann

Die Autoren listen auf, was das Projekt im Auslieferungszustand kann. Der Agent baut Oberflächen direkt in einer agentischen Anwendung, nicht als Vorschau, sondern benutzbar. Algorithmen wie die binäre Suche, die Breitensuche oder Sortierverfahren lassen sich Schritt für Schritt visualisieren. Dreidimensionale Szenen entstehen mit Three.js, samt drehbarer Modelle und Schiebereglern. Rechner, Spiele und Simulationen laufen direkt im Chat.

Reisen werden auf einer echten Karte eingezeichnet, mit nummerierten Stationen und Fotos der Ziele. Der Agent wählt das Format passend zur Antwort. Auffällig ist das Timing: die Oberfläche entsteht, während der Agent sie noch erzeugt, sie strömt also während der Generierung in die Ansicht. Dazu ein Sicherheitsaspekt, der in solchen Projekten oft fehlt. Generierter Code läuft in einem isolierten iframe und darf Bibliotheken nur von einer freigegebenen Liste von CDNs laden. Jede erzeugte Oberfläche lässt sich zudem als eigenständige HTML-Datei herunterladen.

Technisch steht das Ganze auf zwei Beinen. Die Oberflächenseite kommt von CopilotKits Open Generative UI, der dahinterliegende Agent läuft auf LangChain Deep Agents. Laut Ankündigung schreibt ein OpenAI-Modell die Antwort, während Jev von TypeSafe entscheidet, welches Format sie bekommt. Für generative UI in der eigenen App braucht es also nicht nur ein Modell, sondern eine Arbeitsteilung zwischen Schreiben, Formatieren und Darstellen.

Der schwierige Teil: Wenn die Oberfläche nicht zum eigenen Produkt passt

Ein Agent, der Diagramme und Formulare erzeugt, ist nur die halbe Miete, wenn Schriftarten, Farben und Komponenten nicht zum Rest der Anwendung passen. Auch OpenAI ist in diese Falle getappt. Andrew Chen aus dem Design-Team schrieb nach dem Start, der schwierigste Teil sei nicht das Erzeugen der Oberfläche gewesen. Schwieriger sei gewesen, sie so wirken zu lassen, als gehöre sie zu ChatGPT.

An diesem Punkt scheitern viele Projekte, und mehr Modellleistung löst das nicht. Ein Team hat bereits ein Designsystem, einen Katalog an Komponenten, Datenmodelle und den Kontext jedes Nutzers. Generative UI mit eigenem Designsystem und eigenen Komponenten zu bauen ist deshalb kein Umweg, sondern der eigentliche Weg. CopilotKit unterstützt nach eigener Aussage jeden Ansatz in diesem Feld, einschließlich A2UI, der Spezifikation, die Google für generative UI vorgestellt hat.

Das Spektrum: von voller Kontrolle bis voller Freiheit

Zwischen diesen beiden Polen liegt ein Spektrum, und die Wahl darauf ist eine Produktentscheidung, keine technische. Am einen Ende steht die kontrollierte generative UI: der Agent darf nur vorhandene Komponenten verwenden und kombiniert sie zu neuen Ansichten. Am anderen Ende steht die offene generative UI, bei der der Agent die gesamte Oberfläche selbst schreibt.

Zwei Beispiele aus dem Umfeld von CopilotKit zeigen den Unterschied. Ein Reiseplaner arbeitet mit kontrollierter generativer UI: der Agent greift auf eine echte Karte zurück und setzt Fotos aus Wikipedia in bestehende Komponenten ein. Ein Snake-Spiel entsteht dagegen mit offener generativer UI, bei der der Agent das komplette Interface auf der Stelle baut. Der erste Fall fügt sich ins eigene Produkt ein, weil er dessen Komponenten nutzt. Der zweite ist freier, gibt dafür aber die Kontrolle über das Aussehen aus der Hand. Dazwischen gibt es Abstufungen, und die ausführliche Beschreibung samt Codebeispielen steht im Blogbeitrag zum Generative-UI-Spektrum.

AG-UI: Der Agent ist austauschbar, die Oberfläche bleibt

Möglich wird das durch AG-UI, das Agent-User-Interaction-Protokoll, einen offenen Standard zwischen Agenten und den Anwendungen, mit denen Menschen arbeiten. Für generative UI ist es so etwas wie die Steckdose: auf der einen Seite der Agent, auf der anderen die Oberfläche, dazwischen eine feste Norm. Weil diese Norm existiert, können Spezifikationen wie A2UI oder MCP Apps direkt darauf aufsetzen und nativ genutzt werden.

In der Praxis hat das eine angenehme Folge. Der LangChain-Agent in Open Intelligent UI lässt sich gegen Mastra, das Google ADK, das Microsoft Agent Framework oder jeden anderen AG-UI-Agenten tauschen, ohne die Oberfläche anzufassen. Wer auf ein bestimmtes Framework setzt, legt sich damit nicht für Jahre fest. Die generative Oberfläche bleibt, der Motor darunter ist austauschbar.

Ausprobieren und einordnen: was das praktisch heißt

Der Einstieg ist bewusst einfach gehalten. Open Intelligent UI lässt sich klonen und in wenigen Minuten in die eigene Anwendung holen. Nötig sind ein Schlüssel für OpenAI und einer für TypeSafe, die beim Öffnen im Kopfbereich des Chats eingetragen werden. Repository, Dokumentation und eine Live-Version sind verlinkt, Fehler und Ideen gehen als Issue oder Pull Request an das Projekt, für Fragen gibt es die CopilotKit- und AG-UI-Communities. Wer generative UI in die eigene App integrieren will, hat hier einen realistischen Startpunkt.

Open Intelligent UI ist kein fertiges Produkt, sondern ein Ausgangspunkt mit Anschauungsmaterial. Der Wert liegt weniger in den mitgelieferten Beispielen als in der Struktur: ein offener Standard für die Verbindung, ein Baukasten für die Oberfläche und die Freiheit, den Agenten zu wechseln. Wer generative UI ernsthaft einsetzen will, muss trotzdem die eigentliche Arbeit leisten: die Oberflächen an das eigene Designsystem binden, die eigenen Daten anbinden und entscheiden, wie viel Freiheit der Agent bekommen darf.

Der Gastkoch bleibt ein Gastkoch. Der Unterschied ist, dass er diesmal mit dem Geschirr arbeiten kann, das im Schrank steht – wenn man ihm sagt, wo es steht. Die generative Oberfläche hört auf, ein Kunststück einer einzelnen Plattform zu sein, und wird zu einem Bauteil, das jedes Team selbst zusammensetzen kann. Die Open-Source-Alternative zu ChatGPT Intelligent UI ist damit vor allem eines: ein Beweis, dass die Idee nicht an ein einzelnes Produkt gebunden ist.

Quelle: copilotkit.ai

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Sebastian Krötzsch
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Sebastian Krötzsch

Sebastian Krötzsch schreibt auf sebask.de über Künstliche Intelligenz, Automatisierung, digitale Systeme und die Frage, was davon im Alltag wirklich nützlich ist. Ohne Buzzword-Nebel, dafür mit klarem Blick auf Praxis, Tools und echte Wirkung.