Bisher konnte Copilot erklären, wie man Dateien ordnet oder eine Einstellung ändert. Künftig soll er es selbst tun. Auf seinem Hybrid-Intelligence-Event hat Microsoft angekündigt, dass Copilot auf Windows-PCs lokale Dateien organisieren und verändern sowie bestimmte Aufgaben mit KI-Modellen direkt auf dem Gerät erledigen soll. Dahinter steht der Plan, lokale und Cloud-Verarbeitung zu kombinieren, damit Kunden KI-Kosten senken und mehr Kontrolle über ihre Daten behalten. Matthew Finnegan hat die Ankündigung am 8. Oktober für Computerworld aufgeschrieben und Analysten von IDC und Forrester dazu befragt.
Was Microsoft Copilot auf dem Windows-PC künftig erlaubt
Drei neue Funktionen sollen Nutzer von Copilot+ PCs in den kommenden Monaten bekommen. Copilot darf lokale Dateien und die letzten Aktivitäten des Anwenders einsehen, um Antworten mit mehr Kontext zu versehen. Er soll Aktionen direkt auf dem Gerät ausführen, also Dateien verschieben oder Einstellungen ändern. Und er soll manche Aufgaben auf lokal laufenden KI-Modellen erledigen, statt für jeden Schritt die Cloud zu nutzen.
Jacob Andreou, bei Microsoft als Executive Vice President für Copilot zuständig, sagt: Der Assistent habe dasselbe Maß an Kontrolle und Veränderungsmöglichkeit wie ein Nutzer selbst, aber immer nur mit dessen Erlaubnis. Die Ankündigung ähnelt Copilot Actions, einer Funktion, die Microsoft bereits im vergangenen Jahr als experimentelle Vorschau für Windows-Insider gezeigt hatte.
Cloud für schwere Aufgaben, Gerät für sensible Daten
Wichtiger als die einzelne Funktion ist die Verteilung der Arbeit zwischen Gerät und Cloud. Bisher beriet Copilot wie ein kluger Kollege hinter einer Glasscheibe, der zwar alles erklären, aber nichts anfassen konnte. Nun bekommt er den Schlüssel zum Aktenschrank, allerdings unter Aufsicht.
Für die schwierigsten Aufgaben wird Copilot weiterhin die Cloud nutzen, so Andreou. Wenn aber Kosten oder Datenschutz schwerer wiegen, kann der Assistent eine Aufgabe an lokale Modelle abgeben, die direkt auf dem Rechner laufen. Der Analyst Biswajeet Mahapatra von Forrester beobachtet diese Nachfrage. Unternehmen wollten nicht KI, die ausschließlich auf dem Gerät arbeitet, sondern KI, die entscheidet, welche Arbeit lokal und welche in der Cloud erledigt wird. Beide Optionen gleichzeitig verfügbar zu haben, sei das Ziel.
Autopilot: ein Agent, der im Hintergrund arbeitet
In einer Demo zeigte Andreou, was der Zugriff auf lokale Dateien für Autopilot bedeutet — den Copilot-Agenten, der früher Scout hieß und dauerhaft im Hintergrund arbeiten kann. Autopilot befindet sich derzeit in einer privaten Vorschau. Mit Zugriff auf lokale Dateien soll Autopilot deutlich nützlicher werden, weil er mit dem arbeiten kann, was ohnehin auf dem Rechner liegt.
Laut Andreou kann Autopilot auch auf lokal gehosteten Modellen laufen. Das senkt Kosten und hilft, private Daten gar nicht erst in die Cloud zu schicken. Microsoft kündigte außerdem leistungsfähigere Hardware an, darunter das Surface Laptop Ultra und die Surface RTX Spark Dev Box, dazu effizientere KI-Modelle, die speziell für den Betrieb auf Endgeräten gedacht sind.
Für Tom Mainelli, Group Vice President für Device & Consumer Research bei IDC, ist das auch eine Frage der Reife. Die meisten Unternehmen müssten erst noch verstehen, was KI für sie bedeutet, wie viele Token sie verbrauchen, welche Modelle sie nutzen und wo diese laufen sollen. Je geübter sie darin würden und je mehr Beschäftigte KI nutzen sollen, desto größer werde der Bedarf, KI lokal auszuführen – auch Copilot.
Execution Containers: Sicherheit für Agenten, die handeln
Ein Assistent, der Dateien verschieben und Einstellungen ändern darf, ist immer auch ein Sicherheitsthema. Microsoft setzt auf die allgemeine Verfügbarkeit von Microsoft Execution Containers, kurz MXC, auf Windows 11. Damit lassen sich Richtlinien festlegen, die bestimmen, auf welche Dateien und Netzwerke ein Agent überhaupt zugreifen darf.
MXC wird von einer Reihe von Agent-Werkzeugen unterstützt, darunter OpenAIs Codex und OpenClaw. Anthropic Claude Code, Box, Manus und weitere sollen folgen. Tom Mainelli von IDC sieht darin den Wert für Geschäftskunden. Was Microsoft hier liefere, sei ein Maß an Sicherheit und Nachvollziehbarkeit, das Unternehmen Vertrauen geben soll. Mahapatra von Forrester sagt, worauf Firmen sich verlassen sollten: Vertrauen müsse auf Kontrollen beruhen, nicht auf der KI selbst. Die Ankündigung sei bedeutsam, weil Microsoft damit anerkenne, dass Agenten ein anderes Sicherheitsmodell brauchen als herkömmliche Anwendungen. Techniken wie die Execution Containers sollen begrenzen, worauf Agenten zugreifen, festhalten, welcher Agent eine Aktion ausgelöst hat, und richtlinienbasierte Kontrollen durchsetzen.
Was das für Unternehmen und ihren Hardware-Bestand bedeutet
Zwischen Ankündigung und Alltag liegt der Hardware-Bestand. Nach Einschätzung von Mainelli verfügen heutige Business-Notebooks bereits über einige lokale KI-Fähigkeiten, hängen bei vielen Aufgaben aber noch immer von Copilot in der Cloud ab. Erst wenn mehr Systeme mit der richtigen Mischung aus CPU, GPU, NPU und Arbeitsspeicher ausgeliefert werden und lokale Modelle weiter reifen, dürften mehr KI-Aufgaben auf dem Gerät laufen.
Für die Gegenwart ist die Lage gemischt. Mahapatra weist darauf hin, dass ein großer Teil der Unternehmensflotten mehrere Jahre bis zur nächsten Erneuerung braucht. Die unmittelbare Chance liege daher bei Organisationen, die bereits in KI-PCs und leistungsstarke Geräte investieren. Der Rest werde vorerst vor allem auf Cloud-KI setzen und lokale Fähigkeiten nur punktuell übernehmen.
Er warnt zugleich davor, Agenten blind breiten Zugriff auf lokale Dateien zu geben. Rollenbasierte Rechte, nur lesende Unterstützung, Zusammenfassungen, Suche und Workflow-Hilfen würden sich schneller durchsetzen als autonome Dateiänderungen oder das Ausführen ganzer Geschäftsprozesse. Je weiter Agenten von Empfehlungen zu tatsächlichen Handlungen wandern, desto wichtiger werden Freigabekontrollen, Überwachung, Protokollierung und menschliche Aufsicht – besonders dort, wo Agenten mit sensiblen Daten, regulierten Prozessen oder führenden Geschäftssystemen arbeiten.
Copilot als handelnder Akteur
Bisher gab Copilot Ratschläge, künftig soll er auf dem Gerät handeln. Mit dem Zugriff auf lokale Dateien und der Fähigkeit, Einstellungen zu ändern, arbeitet er in deinem Namen — unter Aufsicht und mit nachvollziehbaren Regeln.
Wichtiger als die einzelne Funktion ist das Zusammenspiel. Lokale Modelle senken Kosten und halten sensible Daten zurück. Execution Containers begrenzen, was ein Agent anfassen darf. Autopilot übernimmt Daueraufgaben. Zusammen ergibt das ein Modell, in dem du als Betreiber entscheidest, welche Aufgabe auf dem Gerät bleiben darf und welche die Cloud erledigen soll.
Ob Copilot dann alles darf? Nein. Er darf genau das, wofür dein Unternehmen oder du selbst eine Freigabe erteilen. Die Arbeit liegt damit nicht bei Microsoft, sondern bei der Frage, welche Regeln ein Unternehmen für seine Agenten aufstellt. Ob Copilot auf lokalen Dateien ein nützliches Werkzeug wird oder ein Risiko, das niemand überblickt, hängt vor allem daran.
Quelle: computerworld.com
