Zwei Tech-Investoren unterhalten sich in einem Café. „Hast du schon von DeepSeek gehört?“, fragt einer. „Die Chinesen, die ein KI-Modell gebaut haben, das genauso gut ist wie die besten aus dem Silicon Valley, aber nur einen Bruchteil kostet?“ Der Name fällt in letzter Zeit immer häufiger – auch außerhalb von Fachkreisen. Der chinesische Entwickler großer Sprachmodelle steht Berichten zufolge kurz davor, eine Finanzierungsrunde über 1,5 Milliarden US-Dollar abzuschließen. Ein Börsengang könnte bald folgen.
Ein exklusiver Bericht von TechCrunch, basierend auf Bloomberg-Quellen, besagt, dass DeepSeek derzeit mit Investoren über eine Kapitalspritze von rund 1,5 Milliarden Dollar verhandelt. Die Bewertung des Unternehmens soll dabei bei etwa 71 Milliarden Dollar liegen. Erst vor einem Monat hatte DeepSeek seine erste externe Finanzierungsrunde abgeschlossen – damals sammelte es rund 7 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 50 Milliarden Dollar ein. Der geplante IPO im Jahr 2027 könnte laut Bericht auch schon Ende dieses Jahres über die Bühne gehen. Ein rasanter Aufstieg für ein Startup aus dem Jahr 2023.
Was macht DeepSeek so besonders? KI-Modelle wie GPT von OpenAI oder Claude von Anthropic sind mächtig, aber teuer im Betrieb. DeepSeek zeigt, dass man mit weniger Ressourcen auskommt. Das Unternehmen entwickelte Technologien, die effizienter und kostengünstiger sind als die der US-Konkurrenz. Im Juni dieses Jahres verarbeitete DeepSeek über die KI-Plattform Vercel knapp 23 Prozent aller Tokens. Anthropic lag bei 32 Prozent. Vercel verarbeitet täglich zig Billionen Tokens. DeepSeek beweist, dass chinesische Open-Source-Modelle mit den besten US-Labors mithalten können – trotz US-Exportkontrollen für leistungsfähige Chips.
Wie schafft DeepSeek das? Die Antwort liegt in der Hardware: Der Cloud-Dienst des Startups läuft auf Chips des chinesischen Herstellers Huawei Technologies. Trotz Sanktionen, die den Zugang zu Nvidias Hochleistungs-GPUs erschweren, hat DeepSeek Wege gefunden, eigene Rechenressourcen effizient zu nutzen. Innovation unter Druck. Die Chinesen versuchten nicht, das US-Modell zu kopieren – sie wählten einen anderen Weg. Statt maximale Rohleistung setzen sie auf clevere Optimierung. Wie ein Sportwagen mit kleinem Motor, der durch Aerodynamik schnell wird. Genau das macht DeepSeek.
Zu den Investoren von DeepSeek zählen laut Bloomberg unter anderem der Tech-Riese Tencent und der staatliche National Artificial Intelligence Industry Investment Fund aus Peking. Die chinesische Regierung und große Konzerne investieren massiv in die heimische KI-Entwicklung. DeepSeek ist nicht nur ein Startup, sondern auch ein Prestigeprojekt für Chinas KI-Ambitionen. Das Unternehmen selbst hat sich auf Anfragen von TechCrunch nicht geäußert.
Für Tech-Beobachter ist diese Entwicklung ein Zeichen: Der KI-Wettbewerb ist längst global. Lange dominierten US-Unternehmen die Schlagzeilen – OpenAI, Google, Meta. DeepSeek zeigt, dass die Zukunft nicht in einer Hand liegt. Das chinesische Startup bewies, dass Open-Source-Modelle aus China innerhalb kürzester Zeit aufschließen können. Mit einem Bruchteil der Finanzierung, die US-Startups oft erhalten. Die geplante Finanzierungsrunde von 1,5 Milliarden Dollar klingt nach viel Geld, ist aber im Vergleich zu den Milliarden in US-KI noch moderat.
Was bedeutet das konkret? Wenn DeepSeek an die Börse geht, könnte das eine Welle chinesischer KI-IPOs auslösen. Anleger weltweit werden prüfen, ob sich Technologie und Geschäftsmodell bewähren. Für Unternehmen, die KI-Lösungen einsetzen wollen, wird die Auswahl größer. Die nächste große KI-Revolution könnte aus China kommen – oder aus jedem anderen Land mit klugen Köpfen und Innovationswillen.
Ein Börsengang bedeutet nicht automatisch Erfolg. DeepSeek muss sich in einem hart umkämpften Markt behaupten. Die US-Exportkontrollen könnten sich verschärfen, und die chinesische Regierung könnte regulatorische Hürden aufbauen. Dennoch: Der Kurs des Unternehmens ist beeindruckend. Effizienz und Cleverness können mehr zählen als schiere Finanzkraft.
Quelle: techcrunch.com
