OpenAI erweitert ChatGPT um visuelle Werbung neben generierten Bildern

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Was ändert sich, wenn ChatGPT neben Bildern wirbt? OpenAI erweitert sein Werbeprodukt um visuelle Anzeigen, die neben generierten Bildern erscheinen. Wer ChatGPT um ein Bild bittet, kann künftig neben dem Motiv auch eine Anzeige sehen. Der Start läuft zunächst nur in den USA, im Verlauf dieses Monats, mit Produkten und Dienstleistungen einer ersten Testgruppe von Werbetreibenden. Laut OpenAI werden die Anzeigen deutlich gekennzeichnet und beeinflussen nicht, welche Antworten ChatGPT gibt.

Hinter der Ankündigung steckt mehr als ein neues Format. OpenAI baut seit diesem Jahr ein Anzeigengeschäft auf, das die kostenlose Version und die günstigen Abos mitfinanzieren soll. Im August wurde das Programm auf Indien ausgeweitet. Jetzt sollen Werbetreibende dazukommen, die lieber mit Bildern werben als mit Text. Wie die TechCrunch-Autorin Sarah Perez berichtet, sind parallel neue Messpartner und Verfahren zur Markeneignung angekündigt worden.

Man kann sich das wie eine Galerie vorstellen, die keinen Eintritt verlangt. Die Bilder hängen an der Wand, daneben Plakate von Sponsoren, die den Betrieb bezahlen. Solange die Plakate nicht bestimmen, welche Bilder entstehen, bleibt die Galerie eine Galerie. An dieser Grenze entscheidet sich, ob das Modell funktioniert. Sie verläuft nicht dort, wo die Anzeige steht, sondern dort, wo sie wirkt.

Visuelle Anzeigen direkt neben generierten Bildern

Bisher bekam, wer ChatGPT um ein Bild bat, nur das Motiv. Künftig kann daneben eine Anzeige stehen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung bewirbt. Neu ist vor allem die Form: OpenAI will Werbetreibende gewinnen, die ihre Geschichte lieber mit Bildern erzählen. Ein Bild braucht keinen erklärenden Satz, es wirkt auf den ersten Blick. Und dieser Blick ist wach, sobald ein Motiv erscheint.

Vorerst bleibt die Einführung begrenzt. Die Anzeigen erscheinen in den USA, ab dem späteren Verlauf dieses Monats, zunächst von einer kleinen Gruppe Werbetreibender. Ein weltweiter Start ist das Ziel, aber nicht der erste Schritt. Alle Anzeigen sollen deutlich gekennzeichnet sein. Ob eine Kennzeichnung reicht, damit Nutzer Werbung von Inhalt unterscheiden können, ist offen — die Antwort hängt davon ab, wie aufdringlich die Formate ausfallen.

Warum OpenAI das Werbegeschäft jetzt ausbaut

Das Anzeigengeschäft ist kein Nebenprodukt, sondern eine Finanzierungsfrage. Die kostenlose Version und die günstigen Abos verursachen Rechenkosten, ohne direkt Erlöse zu bringen. Werbung soll laut TechCrunch die kostenlosen und günstigen Tarife mitfinanzieren. Mit 1,2 Milliarden wöchentlichen Nutzern, die Werbetreibende nach dem weltweiten Start erreichen könnten, ist die Reichweite da. Wie schnell das Geschäft bereits gewachsen ist, zeigt unser Beitrag zum bezahlten Platz in ChatGPT-Antworten; wer dort heute schon wirbt, steht in unserer Auswertung der ersten 15.000 Werbetreibenden.

Zeitlich folgt der Schritt auf den Start von Metas Muse, einer agentischen KI-App, die für alle kostenlos ist und laut TechCrunch zunehmend mit Chatbots wie ChatGPT konkurriert. Einen ursächlichen Zusammenhang stellt die Quelle nicht her. Naheliegend ist die Vermutung trotzdem: Wenn ein Wettbewerber kostenlos antritt, wird ein werbefinanzierter Gratiszugang wichtiger. Nach der Einführung der Anzeigen in diesem Jahr und der Ausweitung auf Indien im August sind die visuellen Formate der nächste Ausbauschritt.

Werbung als sanfter Druck in Richtung Abo

Anzeigen in einer Oberfläche, die man wegen ihrer Klarheit schätzt, können stören. Sarah Perez vermutet, dass genau das zum Teil gewollt sein könnte. Wer die Werbung nicht sehen will, kann auf ein bezahltes Abo wechseln. Damit wird aus dem Werbeformat zugleich ein Argument für das Abonnement. Die kostenlose Version bleibt frei, aber unbequemer. Den Mechanismus kennt man von anderen Plattformen.

Für die Finanzierung ist dieser doppelte Effekt attraktiv. Jede Anzeige bringt Erlös, und jeder Nutzer, der wegen der Anzeigen auf ein Abo wechselt, bringt planbare Einnahmen. Zusammen verringert das die Abhängigkeit von einer einzigen Einnahmequelle. Die Kehrseite: Wer die Oberfläche wegen ihrer Ruhe nutzt, verliert genau diese Ruhe. Wie stark das wiegt, hängt davon ab, wie oft und wie deutlich die Anzeigen erscheinen. Ein Format, das den Kern der Nutzung nicht berührt, wird anders bewertet als eines, das mitten im Ergebnis steht.

Messung: Woran Werbetreibende den Erfolg festmachen

Werbung ohne Messung verkauft sich schlecht. Deshalb ist die Liste der Partner mindestens so wichtig wie das Format. OpenAI erweitert das Angebot um Anbieter für Klick-Attribution, darunter AppsFlyer, Adjust, Triple Whale, Branch, Singular, Kochava, Airbridge, Tenjin, DV Rockerbox und Northbeam. Für die Messung über den gesamten Funnel kommen Fospha, Measured und INCRMNTAL dazu. Wer Budgets verteilt, will wissen, welcher Kontakt am Ende zum Kauf geführt hat. Ohne diese Kette bleibt jede Anzeige eine Behauptung.

Dazu kommen Anbieter für geografische Tests. Mit Haus, Measured und WorkMagic sollen Werbetreibende prüfen, wie Anzeigen in verschiedenen Regionen wirken. Das ist im Kern Marktforschung auf der Plattform selbst. Man lässt Regionen gegeneinander laufen und beobachtet, was passiert, wenn man Werbung zeigt — und wenn nicht. Solche Daten brauchen Geduld bei der Auswertung, liefern aber ein klareres Bild als reine Klickzahlen.

Markeneignung: Welche Marke neben welchem Motiv stehen darf

Der heikelste Punkt: welche Anzeige in welchem Umfeld erscheinen darf. Ein generiertes Bild kann alles zeigen, und nicht jede Marke will neben allem stehen. Deshalb entwickelt OpenAI mit DoubleVerify (DV) und Integral Ad Science (IAS) Pilotprojekte zur Markeneignung. Das Ziel ist ein besseres Verständnis der Werbeumgebung, das Werbetreibenden Sicherheit gibt. In der Galerie-Analogie ist das die Frage, ob ein Sponsor seine Tafel neben ein beliebiges Werk hängen möchte. Je feiner die Steuerung, desto eher lassen sich Marken überzeugen.

Was das konkret bedeutet

Für dich als Nutzer ändert sich erst mal wenig, wenn du in Deutschland oder Österreich unterwegs bist. Die Anzeigen starten in den USA, und ob und wann sie hierzulande kommen, ist offen. Die Richtung ist trotzdem klar: Die kostenlose Version von ChatGPT wird mehr und mehr zu einer Fläche, auf der auch andere etwas sagen wollen. Wer die Ruhe behalten will, hat eine Wahl — sie kostet Geld. Das ist keine neue Mechanik, aber eine, die man bewusst treffen sollte.

Für Werbetreibende öffnet sich ein Kanal mit enormer Reichweite — und einer sehr speziellen Situation. Der Moment der Bildgenerierung ist kurz, intensiv und schwer zu ignorieren. Ob Marken dort richtig hineinpassen, hängt davon ab, ob das Umfeld glaubwürdig bleibt. Werbung neben einem Motiv, das zu Marke und Aussage passt, wirkt. Werbung, die aufdringlich in denselben Blick fällt, schadet beiden Seiten.

Die eigentliche Entscheidung fällt nicht bei der Einführung, sondern im Alltag. Bleiben die Nutzer, die wegen des Nutzens kommen, funktioniert das Modell. Kippt die Wahrnehmung hin zu einem Raum, der einem ständig etwas verkaufen will, wandern Aufmerksamkeit und Erlöse ab. OpenAI setzt darauf, die Grenze zu halten. Ob das gelingt, lässt sich nicht ankündigen, sondern nur messen — und genau dafür baut das Unternehmen die Werkzeuge, von denen oben die Rede war.

Quelle: techcrunch.com

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Redaktion 50 Stand 50 · noch keine Stimmen
Ist das Hype?
Sebastian Krötzsch
Autor

Sebastian Krötzsch

Sebastian Krötzsch schreibt auf sebask.de über Künstliche Intelligenz, Automatisierung, digitale Systeme und die Frage, was davon im Alltag wirklich nützlich ist. Ohne Buzzword-Nebel, dafür mit klarem Blick auf Praxis, Tools und echte Wirkung.