Du bestellst ein Taxi, und der Fahrer verlangt das Doppelte – weil er ein neues, teureres Auto gekauft hat. Klingt unfair. Genau das passiert gerade im Technologiesektor. Die großen Unternehmen investieren Milliarden in KI-Infrastruktur und geben die Kosten an die Kunden weiter – durch höhere Preise für Software, Cloud-Dienste und Hardware.
John-David Lovelock, Distinguished VP Analyst bei Gartner, hat die Zahlen vorgelegt. Tech-Unternehmen haben dieses Jahr rund eine Billion Dollar für eigene Technologie ausgegeben. Bis 2026 soll dieser Betrag um 34,7 Prozent steigen. Die globalen IT-Ausgaben – inklusive aller Unternehmen und Endkunden – erreichen laut Gartner im kommenden Jahr 6,37 Billionen Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 14,2 Prozent. Die Prognosen wurden mehrfach nach oben korrigiert, zuletzt von 6,31 auf 6,37 Billionen.
Die Entwicklung ist nicht überall gleich. Lovelock beschreibt drei Geschwindigkeiten: Devices wie Computer und Smartphones wachsen um 9,8 Prozent. Dieses Wachstum kommt nicht von mehr verkauften Geräten, sondern von höheren Preisen für Speicher und Chips. IT-Dienstleistungen wachsen moderat mit 5,3 Prozent, Telekommunikation nur mit 4,4 Prozent. Der große Treiber ist die Cloud – Infrastructure as a Service (IaaS) wächst dieses Jahr um 29,3 Prozent auf 287 Milliarden Dollar. Im Vorjahr waren es 25,3 Prozent.
Hinter diesem Boom steckt der Ausbau der Rechenzentren. Technologiekonzerne rüsten massiv auf, um die erwartete Nachfrage nach KI-Anwendungen zu bedienen. Lovelock nennt das den beispiellosesten Infrastrukturaufbau der Menschheit. Er spricht von einem Wandel von der Informations- zur Intelligenztechnologie. Wer das ignoriert, handle kurzsichtig.
Warum sollen Kunden dafür zahlen? Die Kosten für den Bau der Rechenzentren, für Grafikprozessoren und Kühlung müssen gedeckt werden. Unternehmen geben sie direkt an die Kunden weiter. Softwarehersteller bauen KI-Funktionen ein – etwa Microsoft Copilot oder Googles Gemini – und verlangen Aufpreise. Cloud-Plattformen erhöhen die Preise für Rechenleistung. Hardware-Hersteller verlangen mehr für Server und Speicher.
Die Reaktion der Kunden? CIOs sind alarmiert. Sie sehen Preissteigerungen von allen Seiten und wehren sich, wo sie können. Erfolg haben sie nur bei IT-Dienstleistern: Wenn ein Service-Provider KI integriert, belohnen Kunden ihn mit niedrigeren Preisen – vermutlich, weil der Mehrwert noch nicht sichtbar ist oder die Konkurrenz groß. In anderen Bereichen müssen Unternehmen die höheren Kosten schlucken.
Offen bleibt, ob der Markt diese Preissprünge dauerhaft tragen kann. Möglicherweise handelt es sich um eine defensive Strategie der Anbieter, die um Marktanteile fürchten. Lovelock nennt ein Beispiel: Google baut Gemini in seine Suchmaschine ein. Das bringt nicht unbedingt neue Einnahmen, sondern soll die Position gegen Konkurrenz wie ChatGPT verteidigen. Ähnlich verhalten sich andere große Player.
Die Kosten für KI-Modelle selbst steigen ebenfalls. Viele Anbieter sind von festen Abonnements auf verbrauchsabhängige Preise umgestiegen. Je mehr ein Unternehmen die KI nutzt, desto tiefer muss es in die Tasche greifen. Gleichzeitig drängen günstigere Modelle aus China auf den Markt, und Entwickler setzen verstärkt auf Open-Source-Alternativen, um die Abhängigkeit von teuren proprietären Modellen zu reduzieren.
Lovelock stellt die entscheidende Frage: Kann die Tech-Branche ihre Milliardeninvestitionen in KI-Infrastruktur dauerhaft finanzieren, wenn Kunden zunehmend Widerstand leisten? Bisher gibt es keine klare Antwort. Die Märkte scheinen die Entwicklung zu begrüßen – Analysten wie Gartner heben ihre Prognosen an. Doch ob Käufer die höheren Preise auf Dauer akzeptieren, ist offen.
Für Nutzer von Cloud-Diensten, KI-Features oder Hardware steigen die Preise in den kommenden Monaten und Jahren. Der Mehrwert der KI muss sich erst beweisen. Prüfen Sie Alternativen: Open-Source-Modelle, eigene Lösungen oder langfristige Verträge, die Preissprünge abfedern. Die Tech-Welt steckt mitten in einem Umbau. Wer heute nicht aufpasst, zahlt morgen doppelt.
Quelle: theregister.com
