Die EU schmiedet Pläne zur Verringerung der Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern

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Wenn ein Vermieter einen Generalschlüssel für jede Tür hätte, könnte er die Möbel umstellen oder den Strom abdrehen. Dieses Unbehagen verspüren viele europäische Organisationen bei US-Cloud-Anbietern. Die Sorge vor einem digitalen Kill Switch – dem Abschalten von Diensten durch US-Behörden – ist gewachsen. Die EU-Kommission hat nun Maßnahmen vorgestellt, die dieses Problem angehen sollen: Regulierung von Cloud-Diensten für den öffentlichen Sektor und Stärkung der heimischen Tech-Industrie.

Am 3. Juni 2026 veröffentlichte die EU-Kommission das „European Technological Sovereignty Package“ mit zwei Gesetzesvorschlägen: dem Cloud and AI Development Act (CAIDA) und dem überarbeiteten Chips Act 2.0, plus einer Open-Source-Strategie für den Energiesektor. Matthew Finnegan berichtet auf Computerworld darüber. US-Anbieter werden nicht verboten, aber öffentliche Auftraggeber müssen bei sensiblen Workloads bestimmte Kriterien beachten. Vizepräsidentin Henna Virkkunen: „Technologische Souveränität bedeutet nicht Protektionismus. Europa bleibt offen, partnerschaftlich und setzt auf fairen Wettbewerb.“ Ziel ist, Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden.

Ein Balanceakt zwischen Offenheit und Unabhängigkeit. Der CAIDA zielt darauf ab, die Rechenzentrumskapazität in der EU zu verdreifachen – in fünf bis sieben Jahren. Genehmigungsverfahren werden vereinfacht, Anreize geschaffen. Öffentliche Auftraggeber müssen in vier Stufen Souveränitätskriterien erfüllen. Stufe 1 verlangt nur Datenzentren in der Region – das erfüllen US-Anbieter bereits. Stufe 4 fordert vollständige Kontrolle über den Software-Stack, inklusive Cybersecurity-Zertifizierungen und Unabhängigkeit von der Eigentümerstruktur. Laut Finnegan fallen 70 Prozent der öffentlichen Workloads unter Stufe 1, 20 Prozent unter Stufe 2, 9 Prozent unter Stufe 3 und nur 1 Prozent unter Stufe 4. Die EU greift gezielt dort ein, wo die Risiken am größten sind.

Für private Unternehmen ändert sich vorerst nichts. Die Regulierung betrifft nur öffentliche Beschaffungen. Die Kriterien könnten aber als Standards dienen. Europäische Cloud-Anbieter könnten von den höheren Souveränitätsstufen profitieren. Der Chips Act 2.0 fördert die Halbleiterproduktion in Europa. Ziel ist eine widerstandsfähige Wertschöpfungskette von der Hardware bis zur Cloud-Infrastruktur.

Die Vorschläge müssen noch vom Europäischen Parlament und dem Rat der EU verhandelt werden. Die endgültigen Regeln könnten anders aussehen. Die EU will ihre technologische Souveränität stärken, ohne sich von der Welt abzukoppeln. Es ist ein vorsichtiger Schritt, kein radikaler Bruch. Für Tech-Anwender heißt das: Die Cloud-Landschaft in Europa wird sich verändern. Die Frage ist, wie schnell und ob der Preis in Form höherer Kosten oder geringerer Innovation zu hoch ist.

Quelle: computerworld.com

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Sebastian Krötzsch
Autor

Sebastian Krötzsch

Sebastian Krötzsch schreibt auf sebask.de über Künstliche Intelligenz, Automatisierung, digitale Systeme und die Frage, was davon im Alltag wirklich nützlich ist. Ohne Buzzword-Nebel, dafür mit klarem Blick auf Praxis, Tools und echte Wirkung.