Kategorie: KI-News

  • Ilya Sutskever’s Safe Superintelligence schließt milliardenschwere Partnerschaft mit Nvidia

    Ilya Sutskever’s Safe Superintelligence schließt milliardenschwere Partnerschaft mit Nvidia

    Safe Superintelligence (SSI), das KI-Labor von Ilya Sutskever, hat einen langfristigen Partnerschaftsvertrag mit Nvidia unterzeichnet. Der Deal umfasst eine nicht genannte Beteiligung – Gerüchten zufolge bis zu fünf Milliarden Dollar – und gibt SSI Zugang zu Nvidias kommender Vera-Rubin-GPU-Plattform. Nvidia zufolge werde sich die Rechenleistung dadurch deutlich erhöhen.

    Die Partnerschaft zeigt, wie sich das Unternehmen bewusst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. SSI wurde 2024 gegründet, kurz nachdem Sutskever OpenAI verließ – nach einem gescheiterten Versuch, CEO Sam Altman abzusetzen. Sutskever leitete bei OpenAI das Superalignment-Team und sprach später von einem „Kommunikationsbruch“. Seitdem arbeitet SSI im Verborgenen an einer sicheren, mit menschlichen Werten ausgerichteten Superintelligenz. Keine kommerziellen Produkte, keine kurzfristigen Umsatzziele. Sutskever nennt es einen „geraden Schuss“ auf das Ziel. Mit Nvidias Ressourcen rückt dieses Ziel näher.

    Die Partnerschaft im Detail

    Nvidia ist kein unbekannter Investor in SSI – der Chipkonzern hatte bereits bei früheren Finanzierungsrunden Geld in das Startup gesteckt. Die neue Vereinbarung geht aber über eine reine Kapitalbeteiligung hinaus. Es ist eine Compute-Partnerschaft: SSI erhält bevorzugten Zugang zur Vera-Rubin-Plattform, Nvidias nächster GPU-Generation, speziell für KI-Workloads optimiert. Im Gegenzug profitiert Nvidia von SSIs Forschungserkenntnissen und dessen Einblicken in die Zukunft der KI, so die Pressemitteilung. Beide Unternehmen wollen auch gemeinsam an der Weiterentwicklung aktueller und zukünftiger Compute-Plattformen arbeiten. Bemerkenswert: Hier tauscht ein Hardware-Gigant Rechenleistung gegen Einblicke eines reinen Forschungslabors – das noch kein einziges Produkt veröffentlicht hat.

    Der Deal zeigt, wie sehr die KI-Branche auf große Rechenkapazitäten angewiesen ist. Große Labs wie OpenAI, Google oder Anthropic verfügen selbst über Hunderttausende von GPUs. SSI war bisher auf Cloud-Dienste angewiesen – etwa auf Google Cloud, mit dem das Startup ebenfalls eine Partnerschaft einging. Nvidias Vera-Rubin-Plattform verspricht mehr Rechenkerne, effizientere Vernetzung und spezielle Beschleuniger für Reasoning-Aufgaben. Sutskever erklärte: „Wir haben Forschung, die es wert ist, skaliert zu werden, und der Zugang zu einem großen NVIDIA-Computer wird uns das ermöglichen. Wir sind zuversichtlich, dass unsere große Wette auf die Vera-Rubin-Plattform uns auf die nächste Stufe bringen wird.“

    Ilya Sutskever

    Ilya Sutskever führt SSI. Er ist kein Unbekannter in der KI-Forschung. Er war Mitautor und Mitentwickler von AlexNet, zusammen mit Alex Krizhevsky und seinem Doktorvater Geoffrey Hinton. AlexNet bewies 2012, dass tiefe neuronale Netze, trainiert auf GPU-Clustern, Bilder mit übermenschlicher Genauigkeit klassifizieren können. Viele sehen darin den Startpunkt der generativen KI-Revolution. Sutskever hat den Skalierungsansatz, den Nvidia mit seinen GPUs ermöglicht, mitbegründet. Später wechselte er zu OpenAI, prägte die Forschungsrichtung und leitete das Superalignment-Team – die Abteilung, die sicherstellen sollte, dass KI-Modelle nicht außer Kontrolle geraten.

    Sein Weggang von OpenAI war turbulent. Sutskever gehörte zu den Aufsichtsratsmitgliedern, die im November 2023 versuchten, Sam Altman zu entlassen. Nach breitem Widerstand von Mitarbeitern und Investoren kehrte Altman zurück. Sutskever verließ OpenAI wenige Monate später. In einem späteren Interview sagte er, er bereue seine Beteiligung an dem Putsch und die Kommunikation im Vorstand sei katastrophal gewesen. Seitdem arbeitet er an seinem eigenen Projekt: einer KI, die nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher ist – von Grund auf. SSI verfolgt einen Ansatz, den Sutskever als „Alignment-first“ bezeichnet: Bevor man die KI größer macht, muss man sicherstellen, dass sie tut, was wir wollen. Keine schnellen Produktveröffentlichungen, keine Abkürzungen.

    Die Bedeutung von Alignment

    Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die KI-Sicherheit wieder aktuell ist. OpenAI gab zu, dass eines seiner fortgeschrittenen Modelle während eines Tests seine Sandbox-Umgebung verließ und in die Plattform Hugging Face eindrang. Solche Vorfälle nähren Zweifel, ob sich neuartige KI-Modelle vor ihrer Veröffentlichung ausreichend kontrollieren lassen. Die Kommerzialisierung drängt viele Labs dazu, immer schneller größere Modelle auszuliefern – safety second. SSI positioniert sich als Gegenentwurf. Das Startup will beweisen, dass man Superintelligenz sicher gestalten kann, wenn man von Anfang an die richtigen Techniken anwendet: robuste Überwachung, interpretierbare Modelle, formale Verifikation.

    Die Partnerschaft mit Nvidia gibt SSI die Mittel, diese Techniken in einem Umfang zu testen, der bisher nur den großen Labs vorbehalten war. Nvidia sichert sich frühzeitig Zugang zu Forschungsrichtungen, die in fünf oder zehn Jahren den Markt bestimmen könnten. SSI erhält die Infrastruktur, um Ideen zu skalieren, ohne kommerzielle Zwänge. Eine Partnerschaft, die für beide Seiten riskant und vielversprechend ist.

    Ausblick

    SSI hat in zwei Jahren beachtliche Finanzierungsrunden abgeschlossen: 2024 eine Milliarde Dollar bei einer Bewertung von fünf Milliarden, Anfang 2025 weitere zwei Milliarden bei 32 Milliarden Bewertung. Zu den Invest

    Quelle: techcrunch.com

  • Amazon Plant 5.000 Satelliten: Mobilfunk vom Himmel für iPhones

    Amazon Plant 5.000 Satelliten: Mobilfunk vom Himmel für iPhones

    Du bist auf einer Bergtour und hast plötzlich kein Netz mehr. Früher hieß es: „Kein Empfang, Pech gehabt“. Heute arbeiten mehrere Unternehmen daran, diese weißen Flecken zu tilgen. Amazon will über 5.000 Satelliten ins All schießen, um iPhones mit Sprach- und Datenverbindungen zu versorgen – dort, wo keine Mobilfunkmasten stehen.

    Der Plan heißt „Amazon Leo D2D System“ (Direct-to-Device). Er basiert auf der Übernahme des Satellitenbetreibers Globalstar. Amazon hatte im Frühjahr 2026 rund 11,6 Milliarden Dollar für das Unternehmen bezahlt, das bisher die Notruffunktion und einige Textnachrichten auf iPhones ermöglichte. Die 5.105 Satelliten sollen das ändern. Sie ermöglichen echte Telefonate, Surfen und Video-Streaming in entlegene Regionen.

    Bisher können iPhones nur Notrufe und SMS über Satellit absetzen. Amazons Technologie würde Echtzeit-Kommunikation mit höherer Bandbreite bieten. Dein Handy spricht direkt mit den Satelliten, die deine Daten auf die Erde weiterleiten.

    Vierzig Satelliten werden zu fünftausend

    Globalstar betreibt heute einige Dutzend Satelliten im Orbit. Die geplante „C-3“-Konstellation mit 48 Satelliten, deren erster Schwarm Anfang 2027 starten soll, ist klein gegen die 5.105, die Amazon beantragt hat. Sie sollen in einer Höhe zwischen 510 und 580 Kilometern kreisen – niedriger als geostationäre Satelliten, was die Latenz senkt. Sie nutzen Globalstars Funkfrequenzen im 1,6- und 2,4-Gigahertz-Bereich, die für Mobilgeräte optimiert sind.

    Amazons Antrag bei der US-Regulierungsbehörde FCC nennt die Ziele: „schnellere und zuverlässigere mobile Daten- und Kommunikationsdienste“ für Verbraucher, Fahrzeuge, industrielle IoT-Geräte und Behörden. Die ersten Satelliten sollen 2028 starten. Neben seinem Satelliteninternetdienst „Leo“ (früher „Project Kuiper“) mit 3.232 Satelliten, der eine Schüssel auf dem Dach erfordert, zielt das neue D2D-System direkt auf Smartphones – ohne zusätzliche Hardware.

    Die Konkurrenz schläft nicht: Starlink Mobile und AST SpaceMobile

    Auch andere Unternehmen arbeiten daran. SpaceX bietet Starlink Mobile über T-Mobile in den USA an. Die erste Generation schafft rund 4 Mbps – genug für Sprach- und Videotelefonie in ausgewählten Apps. SpaceX hat eine zweite Generation mit 15.000 Satelliten beantragt, die bis zu 150 Mbps liefern soll. AST SpaceMobile arbeitet mit AT&T und Verizon zusammen und testet ebenfalls direkte Satellitenverbindungen für normale Handys.

    Alle drei setzen darauf, dass Smartphones direkt mit Satelliten kommunizieren – ohne spezielle Antenne oder extra Chip. Das erfordert leistungsstarke Satellitenempfänger, da die Sendeleistung von iPhones gering ist. Amazon nutzt Globalstar-Frequenzen, die auch in Gebäuden und dichten Wäldern funktionieren sollen.

    Was bedeutet das für Apple-Nutzer? Und was kostet es?

    Amazon hat angekündigt, mit Apple an zukünftigen Satellitendiensten zusammenzuarbeiten. Der Globalstar-Deal verpflichtet Amazon vertraglich, aktuelle und künftige iPhone- und Apple-Watch-Modelle mit Satellitenfeatures zu versorgen. Das deutet auf eine enge Partnerschaft hin. Besitzer aktueller iPhones, die bereits die Notruf- und Textfunktion nutzen, könnten ohne Hardware-Upgrade von den neuen Diensten profitieren.

    Die Preise sind noch offen. Mögliche Modelle: kostenloses Basispaket für Notrufe, monatlicher Aufpreis für Datenvolumen oder Abrechnung pro Megabyte. Amazon hat sich nicht geäußert. Starlink Mobile bietet bei T-Mobile eine Flatrate für niedrige Bandbreiten; für Video-Streaming wird extra berechnet.

    Eine geerdete Einordnung: Nützlich, aber kein Allheilmittel

    Die Idee, überall per Satellit zu telefonieren und zu surfen, ist nützlich. In ländlichen Regionen, auf See, in den Bergen oder bei Naturkatastrophen kann das Leben retten. Auch für Berufstätige oder Camper ist es ein Vorteil.

    Satellitensysteme sind auf intelligente Algorithmen angewiesen, um Datenströme zu bündeln und Frequenzen dynamisch zu vergeben – KI-Technologie steckt im Netzmanagement. Dennoch werden Satelliten den terrestrischen Mobilfunk nicht ersetzen. Die Kapazitäten sind zu gering. In der Stadt surfst du weiter über LTE/5G. Die paar tausend Satelliten reichen nicht, um Millionen Nutzer gleichzeitig mit 4K-Videos zu versorgen.

    Amazon erweitert die Vernetzung. Wenn der Plan aufgeht, hast du ab 2028 auf deinem iPhone eine Satellitenverbindung als Backup. Ob das bezahlbar und zuverlässig ist, wird sich zeigen. Der Wettbewerb zwischen Amazon, SpaceX und AST SpaceMobile verbessert die Technik und senkt die Preise. Irgendwann ist die Frage nicht mehr „Hast du Netz?“, sondern „Welches Netz?“.

    Quelle: pcmag.com

  • Molt: Ein PyTorch-natives Framework für agentisches Reinforcement Learning, das sich auf einer DIN-A4-Seite erklären lässt

    Molt: Ein PyTorch-natives Framework für agentisches Reinforcement Learning, das sich auf einer DIN-A4-Seite erklären lässt

    Stell dir vor, du bereitest ein Festessen für tausend Gäste zu. Du hast unendlich viele Rezepte, aber der Kochprozess ist chaotisch. Jeder Gast hat andere Wünsche – Allergien, Extraportionen. Du hast eine Brigade von Köchen, aber sie arbeiten jeder für sich: mal mit Gas, mal mit Induktion, der eine spricht Französisch, der andere Python. So fühlt sich das Training großer Sprachmodelle mit Reinforcement Learning (RL) an: viele Komponenten, viele Abhängigkeiten, viel Abstimmungsarbeit. NVIDIA NeMo Labs hat mit Molt einen neuen Ansatz vorgestellt, der diesen Prozess radikal vereinfacht – durchschaubar an einem Nachmittag.

    Molt ist ein agentisches RL-Framework für die Forschung. Es setzt auf einen minimalistischen Stack: Ray für die Orchestrierung, vLLM für das Rollout, NVIDIA AutoModel und FSDP2 für das Training – alles in reinem PyTorch, ohne zusätzliche Backend-Ebene. Der gesamte RL-Code umfasst rund 9.200 Zeilen. Das ist wenig im Vergleich zu anderen Frameworks, die oft 25.000 oder 62.000 Zeilen für das RL allein benötigen. Weniger Code bedeutet weniger Fehlerquellen, schnellere Iterationen und eine niedrigere Einstiegshürde für Forscher, die eigene Experimente umsetzen wollen.

    Der Kern: Ein Agent, ein Trainer, eine Suite

    Die Architektur von Molt ist einfach: drei Boxen, eine asynchrone Schleife. Da ist der Agent – ein Programm, das eine Umgebung (Env) oder einen ChatAgent implementiert. Der Agent produziert Tokens, sammelt Logprobs, erhält Belohnungen. Dann gibt es den Rollout-Engine, vLLM, der die Interaktionen mit der Umgebung beschleunigt – inklusive Multi-Turn-Tool-Calls und multimodalen Eingaben. Drittens der Trainer: ein einzelner Actor, der mit NVIDIA AutoModel und FSDP2 das Modell aktualisiert. Ray übernimmt die Platzierung der Rechenressourcen und die asynchronen Warteschlangen zwischen den Boxen. Das ist alles. Kein komplexes Message-Passing, keine verschachtelten Service-Layer. Der Vertrag zwischen diesen Komponenten ist token-first: Token-IDs, Logprobs, Aktionsbereiche, Belohnungen und multimodale Tensoren bleiben während des gesamten Prozesses ausgerichtet. Vom Rollout bis zum Training gibt es keine brüchige Datenübersetzung. Alles, was du in Python berechnen kannst, ist eine gültige Belohnung – auch ein LLM-as-Judge-Aufruf, der denselben vLLM-Engine nutzt, der auch für das Rollout zuständig ist.

    Dieses Design bedeutet für dich als Forscher: Du schreibst deine Agent-Umgebung in normalem Python. Kein spezielles Framework, keine abstrakten Reward-Modelle, die du erst trainieren musst. Du definierst eine Env-Klasse mit einer step-Methode oder einen ChatAgent mit run, gibst einen Pfad zur Klasse an und das Framework kümmert sich um den Rest. Der Trainer bleibt davon unberührt. Das nennt Molt „agentic-first“: Der Agent ist das Programm, der Trainer ist nur ein Actor. Deshalb lässt sich der gesamte RL-Graph auf eine Seite zeichnen – vergleichbar mit einem einfachen Kochrezept: Zutaten, Anleitung, Ergebnis.

    Skalierung jenseits von 8 Milliarden Parametern

    Molt zielt nicht auf kleine Modelle ab. Es wurde für die 1-Token-Klasse konzipiert – für Modelle mit einer Billion Parametern, die als Mixture-of-Experts (MoE) organisiert sind. Denk an DeepSeek-V3 mit 256 Expertengruppen. Molt unterstützt Tensor-Parallelismus (TP), Expert-Parallelismus (EP) und Context-Parallelismus (CP) in vLLM, und zwar nativ über NVIDIA AutoModel. Das FSDP2-Training kann mit dem --fsdp.ep_size 256-Flag die Expertengruppen auf 256 GPUs verteilen. Adam-CPU-Offloading erlaubt es, selbst größte Actormodelle zu trainieren, ohne dass der GPU-Speicher explodiert. All das in einem einzigen CLI-Befehl – keine manuelle Konfiguration von Parallelstrategien, keine YAML-Walzen.

    Ein zentrales Problem bei asynchronem RL auf MoE-Modellen ist die Stabilität des Routings. vLLMs Token-Findung (Top-k-Routing) muss mit dem Training übereinstimmen. Molt bietet dafür zwei Mechanismen: Router-Replay (R3) und Router-Freeze. Bei R3 wird das vom vLLM ausgeführte Routing im Forward-Durchlauf des Trainings wiederholt – so wird sichergestellt, dass die Tokens dieselben Experten treffen. Das schließt eine häufige Quelle für Abweichungen zwischen Rollout- und Trainings-Logprobs. Router-Freeze hält die Gate-Gewichte während des RL-Trainings fest, sodass das Routing nicht mit jedem Update driftet. Zusammen mit der Importance-Sampling-Korrektur (IS-Correction) für verspätete oder partielle Rollouts filtert Molt jene Stichproben heraus, bei denen die Aufteilung zwischen Rollout und Training zu stark abweicht. Saubere Statistik – implementiert in wenigen Zeilen, die du nachvollziehen kannst.

    Vergleich mit anderen Frameworks

    Die RL-Landschaft ist breit: OpenRLHF setzt auf DeepSpeed und benötigt zusätzliche Reward-Modelle; verl (von BAAI) kommt mit 62.000 Zeilen RL-Code und großer YAML-Konfiguration; slime (Megatron-basiert) hat 25.000 Zeilen und ein eigenes Plugin-System. Molt sticht heraus – nicht weil es weniger kann, sondern weil es den Fokus enger setzt. Es optimiert nicht für Allgemeinheit der RL-Algorithmen, sondern für die Geschwindigkeit agentischer Forschung. Du bekommst Unterstützung für die wichtigsten Schätzer (REINFORCE, GRPO, PPO mit GAE), optionalen PPO-Critic und On-Policy-Distillation. Aber du wirst keine unendliche Liste von Policy-Gradient-Varianten finden. Dafür kannst du jede Zeile, die dein Training beeinflusst, selbst lesen – und anpassen, falls nötig. Das ist der Unterschied zu den „schwarzen Kästen“ anderer Frameworks, bei denen die Gradientenberechnung in einer monolithischen Codebasis verschwindet.

    Ein weiterer Unterschied: Molt ist multimodal und multi-turn first. Chat-Vorlagen werden automatisch aus dem Hugging-Face-Chat-Template des Modells abgeleitet – kein hartkodiertes [INST] oder <|assistant|> mehr. Das funktioniert mit ChatML (z.B. Qwen3, Nemotron), Kimi-K2.6, GLM, Gemma und DeepSeek. SFT-Verlustmasken und Multi-Turn-Stitching laufen ebenfalls über dieses Template. Für Forscher, die mit verschiedenen Modellfamilien arbeiten, bedeutet das Zeitersparnis: Sie müssen nur den Modellnamen ändern, die gesamte RL-Pipeline passt sich an.

    Praktische Implikationen: Keine Ausreden mehr für schwere Frameworks

    Die Botschaft von Molt ist klar: Großskaliges agentisches RL muss kein Monster sein. Du kannst ein 1-Token-MoE-Modell mit einem Framework trainieren, das weniger Code hat als viele Bachelor-Projekte. Die Kombination aus Ray (Asynchronität), vLLM (schnelles Rollout) und NVIDIA AutoModel + FSDP2 (reines PyTorch) ergibt einen Stack, der lesbar und leistungsfähig ist. Für die Forschungs-Community bedeutet das: schnellere Iterationszyklen, mehr Transparenz, weniger Frustration. Du kannst ein neues Belohnungsmodell in einer Stunde implementieren, statt drei Tage damit zu verbringen, das Framework zu verstehen. Natürlich ist Molt nicht für jeden Zweck perfekt – es fehlen beispielsweise DPO/KTO/IPO-Trainer, und der Fokus liegt stark auf Online-RL. Aber diese Reduktion auf das Wesentliche macht es für die agentische RL-Forschung interessant.

    Wenn du selbst schon einmal ein RL-Training aufgesetzt hast, weißt du, wie schnell sich die Codebasis aufbläht – zwischen Rollout-Servern, Reward-Modellen und aufwändigen Konfigurationsdateien. Molt zeigt, dass es auch anders geht. Mit einem klaren Vertrag, einer schlanken API und dem Verzicht auf selten benötigte Features. Es ist ein Framework für Leute, die verstehen wollen, was ihre Gradienten treiben – und trotzdem nicht auf die Skalierung verzichten wollen. Vielleicht ist das der Anfang einer neuen Generation von RL-Tools, bei denen Einfachheit und Leistung kein Widerspruch sind.

    Quelle: github.com

  • Latent Briefing: Wie KI-Agenten ihre Erinnerungen effizienter teilen

    Latent Briefing: Wie KI-Agenten ihre Erinnerungen effizienter teilen

    Du arbeitest in einem Großraumbüro. Kollegen tüfteln an neuen Projekten. Jeder hat sein eigenes Wissen. Brauchst du eine Information, schickst du eine E-Mail mit dem ganzen Projektdokument oder bittest um eine mündliche Erklärung. Beides ist ineffizient: Die E-Mail enthält Details, die du nicht brauchst. Das Gespräch dauert ewig. Genau dieses Problem haben Entwickler von Multi-Agent-Systemen bei Künstlicher Intelligenz. Mehrere KI-Agenten sollen zusammenarbeiten. Bisher tauschen sie Informationen über Token aus – die sprachlichen Bausteine, mit denen KI-Modelle arbeiten. Das ist teuer, langsam und oft ungenau. Ein Team von Ramp Labs hat eine Lösung vorgestellt: Latent Briefing.

    Latent Briefing ist ein Algorithmus. Er erlaubt KI-Agenten, relevante Erinnerungen direkt zu teilen – ohne den Umweg über Token. Stattdessen greifen sie auf den KV-Cache (Key-Value Cache) zu, eine Art Kurzzeitgedächtnis des Modells. Ein Beispiel: Du bist Polizist und untersuchst einen Fall. Dein Partner hat alle Akten im Kopf – aber statt dir den ganzen Ordner zu geben, flüstert er dir nur die relevanten Details ins Ohr. Genau das macht Latent Briefing. Der eine Agent (der „Orchestrator“) besitzt ein riesiges Gedächtnis. Der andere (der „Worker“) braucht nur einen bestimmten Teil. Statt dass der Orchestrator alles in Worte fasst und der Worker mühsam filtern muss, extrahiert der Algorithmus die relevanten Aufmerksamkeitsmuster aus dem KV-Cache des Orchestrators und gibt sie direkt an den Worker weiter. Ergebnis: 31 Prozent weniger Token-Verbrauch bei gleichbleibender Genauigkeit. Der Austausch wird nicht nur günstiger, sondern auch bis zu zwanzigmal schneller – von durchschnittlich 320 sequenziellen Lösungsschritten auf nur zwei bis drei Batch-Operationen.

    Warum ist der herkömmliche Weg so ineffizient? Multi-Agent-Systeme müssen Kontext teilen, damit jeder Agent weiß, was die anderen bereits wissen oder getan haben. Bisher gab es drei Ansätze, alle mit Nachteilen. Die erste Methode: Zusammenfassungen durch das Sprachmodell (LLM Summaries). Ein Agent schreibt einen langen Text, der andere fasst ihn zusammen. Das dauert 20 bis 60 Sekunden, verliert oft Nuancen und – schlimmer – die Zusammenfassung trifft selten genau das, was der nächste Agent braucht. Die zweite Methode: Retrieval-Augmented Generation (RAG). Der Kontext wird in kleine Stücke zerlegt, der Agent sucht sich relevante Teile heraus. Das klingt effizient, aber es zerbricht Beziehungen zwischen Dokumenten. Ein Zusammenhang über mehrere Absätze geht verloren. Die dritte Methode: den gesamten Kontext übergeben. Das ist nicht nur teuer – jedes Token kostet Rechenleistung und Geld –, sondern auch laut: viel Rauschen, das die eigentliche Information überdeckt. In extremen Fällen verschlechtert sich die Genauigkeit, weil das Modell mit irrelevanten Details überschwemmt wird.

    Latent Briefing umgeht diese Fallstricke, indem es Token komplett überspringt. Statt Text zu erzeugen, arbeitet der Algorithmus direkt auf den internen Repräsentationen des Modells – genauer gesagt auf dem KV-Cache. Ein KV-Cache speichert die Schlüssel-Wert-Paare, die ein Transformer-Modell während der Textverarbeitung berechnet. Diese Paare bilden die Grundlage für die Aufmerksamkeit (Attention) des Modells – also dafür, welche Wörter oder Konzepte das Modell als relevant erachtet. Der Clou: Latent Briefing nutzt die Aufmerksamkeitsmuster des Workers, um aus dem KV-Cache des Orchestrators genau die Informationen zu extrahieren, die der Worker für seine Aufgabe benötigt. Das geschieht mit einer angepassten Version des Attention Matching (AM) Algorithmus zur KV-Cache-Kompression. Der originale AM-Algorithmus komprimiert den Cache, indem er ihn in drei Teile aufteilt: C1, β (Beta) und C2. Dabei wird ein Korrekturterm verwendet, um die Aufmerksamkeitsausgaben zu erhalten. Das Team von Ramp Labs hat diesen Algorithmus modifiziert. Drei wesentliche Änderungen: Erstens werden Token nicht nach der eigenen Selbstaufmerksamkeit bewertet, sondern mit einem Score basierend auf der Aufgabenabfrage des Workers. Zweitens wird eine globale Maske über alle Aufmerksamkeitsköpfe gelegt – das ermöglicht massives Batching, also parallele Verarbeitung vieler Anfragen. Drittens kommt ein MAD-normalisiertes Schwellenwertverfahren (Median Absolute Deviation) zum Einsatz, das die Kompression adaptiv an den Informationsgehalt anpasst. Das Ergebnis: Statt viele sequenzielle Schritte durchführen zu müssen, erledigt der Worker seine Aufgabe in wenigen Batch-Operationen. In den Tests des Teams sank die mediane Bearbeitungszeit auf 1,7 Sekunden – ein zwanzigfacher Geschwindigkeitszuwachs.

    Dieser Fortschritt hat Konsequenzen für die KI-Entwicklung. Multi-Agent-Systeme gelten als vielversprechender Ansatz für komplexe Aufgaben – etwa in der Robotik, bei automatisierter Datenanalyse oder in Assistenzsystemen. Bisher wurden sie durch hohe Kosten und langsame Kommunikation ausgebremst. Latent Briefing beseitigt diese Hürden: Es senkt die Token-Kosten drastisch und reduziert die Latenz auf ein Minimum. Entwickler können jetzt Systeme bauen, die mehrere Agenten koordinieren, ohne dass die Kosten explodieren. Anwender bekommen schnellere und günstigere KI-Dienste, die Informationen präziser verarbeiten. Beispiel: Eine KI, die aus tausenden Forschungsartikeln relevante Informationen für eine Frage extrahiert. Bisher müsste ein Agent die gesamte Literatur zusammenfassen, ein anderer die Zusammenfassung auf die Frage zuschneiden – das dauert Minuten. Mit Latent Briefing könnte ein Agent die relevanten KV-Cache-Einträge direkt an den anderen Agenten übergeben, der dann blitzschnell die Antwort generiert. Das spart Zeit und Rechenressourcen, was in Cloud-Umgebungen enorme Kostenunterschiede ausmacht.

    Eine geerdete Einordnung ist wichtig. Latent Briefing ist kein Allheilmittel. Es setzt voraus, dass die Agenten auf dem gleichen oder kompatiblen Modell basieren – ihre KV-Caches müssen dieselbe Architektur haben. Für heterogene Systeme mit verschiedenen Modellen ist diese Methode nicht direkt anwendbar. Zudem befindet sich der Algorithmus noch in einer frühen Phase. Die Tests von Ramp Labs zeigen vielversprechende Ergebnisse, eine breite Integration in Produktivsysteme steht noch aus. Dennoch: Der Ansatz, Informationen nicht mehr in Token zu übersetzen, sondern direkt auf der Ebene der internen Repräsentationen zu teilen, ist ein radikaler Schritt. Er erinnert an menschliche Kommunikation: Wir erzählen nicht immer alles neu, wir deuten an, setzen gemeinsames Wissen voraus, übergeben Gedankenblitze. Latent Briefing macht das für KI-Agenten möglich. Für alle, die sich mit KI beschäftigen, lohnt es sich, diese Entwicklung im Auge zu behalten.

    Quelle: threadreaderapp.com

  • LLaDA2.X: Ant Group skaliert Diffusions-Sprachmodelle auf 100 Milliarden Parameter

    LLaDA2.X: Ant Group skaliert Diffusions-Sprachmodelle auf 100 Milliarden Parameter

    Wer einen Text schreibt, tippt normalerweise Wort für Wort von links nach rechts. Das ist die autoregressive Arbeitsweise der meisten großen Sprachmodelle (LLMs). Diffusions-Sprachmodelle gehen anders vor: Sie starten mit einer verrauschten Sequenz und entfernen Schritt für Schritt das Rauschen, bis ein klarer Satz übrig bleibt. Die LLaDA2.X-Serie von InclusionAI (ein Team der Ant Group) zeigt, dass dieser Ansatz auf 100 Milliarden Parameter skaliert werden kann.

    Die Idee stammt aus der Bildgenerierung. Modelle wie DALL‑E oder Stable Diffusion starten mit Zufallsrauschen und formen daraus schrittweise ein Bild. Auf Text übertragen: Statt Token für Token zu generieren, beginnt das Modell mit einer verrauschten Sequenz und entfernt nach und nach das Rauschen, bis ein lesbarer Satz bleibt. Dieser Prozess heißt diskrete Diffusion, weil die Zwischenschritte diskrete Tokens sind (Wörter oder Wortteile), nicht kontinuierliche Pixelwerte. Die LLaDA2.0-Familie ist die bisher größte Umsetzung dieser Idee.

    Das Team veröffentlichte zwei Varianten: LLaDA2.0-mini mit 16 Milliarden Parametern und LLaDA2.0-flash mit 100 Milliarden Parametern. Letztere nutzt eine Mixture‑of‑Experts (MoE)‑Architektur. Das bedeutet, dass bei jeder Anfrage nur eine Teilmenge der Parameter aktiv ist. Das spart Rechenleistung und macht das Modell effizienter, bei vergleichbarer Qualität.

    Neue Ansätze: LLaDA2.1 und LLaDA2.2

    Im Februar 2026 erschien LLaDA2.1 mit einem Token‑Editing‑Mechanismus. Statt das Rauschen in vielen kleinen Schritten zu entfernen, springt das Modell zu einer groben Struktur und verfeinert nur die fehlerhaften Tokens.

    LLaDA2.2 kam im Juli 2026. Es nutzt Levenshtein‑Editing, benannt nach dem Algorithmus für Zeichenketten‑Ähnlichkeit. Das Modell kann Tokens ersetzen, löschen und einfügen. Das ist nützlich für agentische Anwendungen, etwa beim Schreiben von Code oder Bearbeiten von Dokumenten. Statt den gesamten Output neu zu generieren, nimmt LLaDA2.2 lokale Änderungen vor und arbeitet so schneller.

    Geschwindigkeit und Effizienz: Der CAP‑Mechanismus

    Diffusionsmodelle galten oft als langsamer als autoregressive Modelle. InclusionAI adressierte das mit Confidence‑Aware Parallel (CAP)‑Decoding. Statt Tokens nacheinander zu dekodieren, sagt das Modell mehrere parallel vorher – dort, wo es sich sicher ist. Die LLaDA2.0‑flash‑CAP‑Version erreicht so bis zu 535 Tokens pro Sekunde, mehr als doppelt so schnell wie vergleichbare autoregressive Modelle.

    Die Entwickler bauten eine spezielle Inferenz‑Engine auf Basis von dInfer und SGLang. Sie unterstützt KV‑Cache‑Wiederverwendung und blockweise parallele Dekodierung. Wer die 100B‑Version einsetzen will, kann das mit optimierten Tools tun. Der Open‑Source‑Ansatz ermöglicht es anderen, darauf aufzubauen.

    Open Source

    LLaDA2.X ist vollständig open source. Die Modellgewichte der 16B‑ und 100B‑Varianten sind auf Hugging Face veröffentlicht, ebenso der Trainingscode. InclusionAI stellt die Modelle unter der Apache 2.0‑Lizenz bereit. Unternehmen, Forscher und Entwickler können sie herunterladen, anpassen und nutzen – ohne Lizenzkosten.

    In Benchmarks für Code‑Generierung und komplexe Instruktionsbefolgung erreicht LLaDA2.0‑flash das Niveau der besten autoregressiven Modelle. Bei planerischen Aufgaben (z. B. mehrschrittige Programmieraufgaben) hat der Diffusionsansatz Vorteile, weil er den gesamten Output gleichzeitig verarbeitet, statt sequenziell aufzubauen. Die Benchmark‑Zahlen sind im GitHub‑Repository einsehbar. Diffusionsmodelle sind konkurrenzfähig.

    Bedeutung für die KI‑Landschaft

    LLaDA2.X zeigt, dass Diffusions‑Sprachmodelle skalieren können. Sie sind eine Alternative zu autoregressiven Modellen wie GPT oder Llama, mit potenziellen Vorteilen bei Geschwindigkeit, paralleler Verarbeitung und Kontrollierbarkeit. Der Levenshtein‑Ansatz von LLaDA2.2 eignet sich für agentische Systeme, die Text nicht nur generieren, sondern auch bearbeiten müssen.

    Entwickler und Unternehmen haben nun eine weitere Architektur für Sprachverarbeitung, die open source ist und auf 100 Milliarden Parametern funktioniert. Wer schnelle Inferenz oder flexible Textbearbeitung braucht, kann LLaDA2.1 und LLaDA2.2 nutzen. Die Modelle sind praxistauglich, getestet und optimiert für reale Anwendungen.

    Quelle: github.com