Sie arbeiten an einer wichtigen Präsentation. Sie haben E-Mails gesichtet, Zahlen aus Tabellen gezogen, Entwürfe geschrieben. Dann klingelt das Telefon, Sie müssen zum Meeting. Also schließen Sie den Laptop und nehmen die Gedanken mit – die eigentliche Arbeit bleibt liegen. Ihr digitaler Assistent könnte weitermachen. Das verspricht Claude Cowork von Anthropic, ab sofort nicht nur auf dem Desktop, sondern auch auf Smartphone und Browser.
Cowork übernimmt eine ganze Aufgabe. Statt nur Fragen zu beantworten, greift der Assistent auf Ihre verbundenen Tools zu – Dateien, Kalender, E-Mail, Messaging-Dienste, das Web – und arbeitet so lange, bis das Ergebnis vorliegt. Anthropic gibt an, dass über 90 Prozent der Nutzung aus alltäglicher Wissensarbeit besteht, nicht aus Softwareentwicklung. Die häufigsten Kategorien sind Geschäftsabläufe und Content-Erstellung: Quartalsausgaben abgleichen und eine Abweichungsanalyse schreiben, einen Ordner mit Verträgen in eine Erneuerungsübersicht mit Risikohinweisen verwandeln, aus Gesprächsprotokollen und Pipeline-Daten eine Kundenpräsentation bauen. Diese Arbeit findet sich selten in Stellenbeschreibungen, nimmt aber viel Zeit in Anspruch.
Bisher war Cowork an den Laptop gebunden. Sie starteten eine Aufgabe – etwa „Analysiere die letzten zehn Support-Tickets und fasse die häufigsten Probleme zusammen“ – und mussten am Rechner bleiben, bis sie fertig war. Schlossen Sie den Deckel, stoppte auch Claude. Mit dem Update auf mobile und web ändert sich das. Drei Änderungen: Ihre Arbeit folgt Ihnen. Sie beginnen eine Aufgabe am Schreibtisch, prüfen den Fortschritt auf dem Handy und greifen das fertige Ergebnis später auf einem anderen Gerät wieder auf. Die Arbeit läuft im Hintergrund weiter. Sie können den Laptop zuklappen und zum Meeting gehen – Claude arbeitet weiter. Auch geplante Aufgaben starten ohne aktives Gerät. Sie legen fest, dass die Kundenbriefing-Unterlage jeden Montag um 6 Uhr morgens erstellt werden soll. Claude durchsucht die E-Mail-Threads der letzten Woche, Transkripte, aktuelle Nachrichten, baut das Dokument und hinterlässt eine Entwurf-E-Mail, die Sie überprüfen können.
Die Entscheidungen bleiben bei Ihnen. Wenn Claude an eine Frage stößt, die nur ein Mensch beantworten kann – etwa ob eine bestimmte Formulierung im Entwurf angemessen ist –, stoppt der Assistent und sendet eine Benachrichtigung auf Ihr Telefon. Sie können während einer Besprechung kurz antworten, und Claude macht weiter. Nichts wird ausgeliefert, ohne dass Sie es geprüft und freigegeben haben. Es ist kein autonomer Roboter, sondern ein delegierendes Werkzeug mit klarer Verantwortungstrennung.
Der Desktop bleibt der Ort für intensive Arbeit. Dort läuft die volle Funktionalität inklusive Zugriff auf lokale Dateien und den Browser. Neu ist, dass auch Nutzer, die keine Desktop-App installieren können oder wollen, jetzt über das Web auf Cowork zugreifen können. In der Web- und Desktop-Version werden Chat und Cowork zu einer einzigen Oberfläche zusammengeführt. Projekte und Artefakte sind an einem Ort. Delegieren funktioniert wie Fragen stellen.
Zur Einführung verdoppelt Anthropic die Cowork-Nutzungslimits bis zum 5. August. Das erlaubt größere Aufgaben auszuprobieren. Der Rollout beginnt in den nächsten Wochen als Beta, zunächst für Max-Nutzer, weitere Tarife folgen. Teilnehmer starten auf dem Web über den Startbildschirm auf claude.ai oder in der mobilen App über die Seitenleiste. Eine erste Aufgabe: Nehmen Sie etwas, das ohnehin auf Ihrer To-do-Liste steht – ein Ordner mit Notizen, eine E-Mail-Kette, eine halbfertige Präsentation – und beschreiben Sie Claude, wie „fertig“ aussieht. Lassen Sie ihn arbeiten, während Sie andere Dinge erledigen.
Konkret: Claude Cowork ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern wird zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Der Assistent übernimmt keine kreative Verantwortung, erspart aber stupide Fleißarbeit. Bisher war die Ortsgebundenheit die größte Hürde: Solange eine Aufgabe an einen Rechner gefesselt war, konnte sie nicht nebenbei laufen. Mit mobil und Web fällt sie. Cowork arbeitet unsichtbar weiter, auch wenn Sie etwas anderes tun. Keine Revolution, sondern eine logische Weiterentwicklung: Arbeit passt sich dem Menschen an.
Wer sich fragt, ob KI produktiv ist, findet hier ein ernstzunehmendes Werkzeug. Es ersetzt nicht menschliches Urteilsvermögen, sondern verstärkt es. Wie ein Assistent, der Vorarbeit leistet – auch unterwegs. Die Frage ist nicht ob, sondern wie Sie KI am besten für Ihre Arbeit nutzen.
Quelle: claude.com
