Die drohende Umverteilung des KI-Vermögens: Neil Rimer warnt vor zwei Wegen

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Neil Rimer, Mitgründer von Index Ventures, sagte im Mai in Athen: „Das ganze Geld, das jetzt rund um künstliche Intelligenz entsteht, wird eines Tages wieder umverteilt werden – entweder freiwillig oder unter Zwang.“ Rimer ist einer der erfolgreichsten Investoren der letzten drei Jahrzehnte. Sein Portfolio umfasst Firmen wie Anthropic. Index Ventures erwirtschaftete Milliarden durch den Börsengang von Figma und den Verkauf von Wiz an Google. Wenn so jemand über Umverteilung spricht, lohnt sich genaues Hinhören.

Die Vermögen in der KI sind enorm. Elon Musk ist offiziell der erste Mensch mit einem Vermögen über einer Billion Dollar. Forbes zählte 45 neue KI-Milliardäre mit einem gemeinsamen Vermögen von 2,9 Billionen Dollar – bevor Firmen wie Anthropic oder OpenAI überhaupt an die Börse gingen. Der Artikel zeigt: Die Superreichen der Tech-Branche geben weniger ab. Der „Giving Pledge“ verliert an Zugkraft. In den ersten fünf Jahren unterschrieben 113 Familien, 2024 waren es vier. Elon Musk sagte: „Meine Unternehmen sind Philanthropie.“ Diese Haltung ignoriert die wachsende Ungleichheit.

In den USA sinkt die Zahl der privaten Spender, obwohl die Gesamtspenden auf Rekordniveau liegen. Der Anteil der Haushalte, die spenden, fiel von zwei Dritteln im Jahr 2000 auf etwa die Hälfte heute. Sogar bei wohlhabenden Haushalten ging es zurück. Ein Finanzplaner für Anthropic-Mitarbeiter sagt: Die meisten denken nicht über Spenden nach, sondern darüber, wie sie ihr Geld in neue Start-ups stecken oder eigene Firmen gründen. Der Reichtum zirkuliert, fließt aber nicht ab. Rimer sieht darin das Problem. Er sagt: „Es wird eine Umverteilung geben, entweder freiwillig oder unfreiwillig.“ Die Frage: Wählen die Tech-Eliten den ersten Weg – oder erzwingt die Gesellschaft den zweiten?

Es gab diese Wahl schon einmal. Im späten 19. Jahrhundert forderte Andrew Carnegie die Reichen auf, ihr Vermögen zu Lebzeiten zu spenden. „Es ist eine Schande, reich zu sterben“, schrieb er. Der freiwillige Ansatz reichte nicht. In den 1930er Jahren nutzte Senator Huey Long die Wut der Bevölkerung und forderte eine drastische Besteuerung. Franklin D. Roosevelt erhöhte den Spitzensteuersatz auf 79 Prozent – erzwungene Umverteilung. Heute ist die Vermögenskonzentration historisch. Die obersten 1 Prozent der US-Haushalte hielten 2024 rund 31,7 Prozent des gesamten Vermögens – ein Rekord. 19 Familien besitzen 14 Prozent des US-BIP; zu Carnegies Zeiten hielten vier Familien 4 Prozent.

Politische Reaktionen gibt es. In Kalifornien stimmen die Wähler über eine einmalige Vermögenssteuer von 5 Prozent auf Milliardenvermögen ab. Einige Tech-Milliardäre, darunter Sergey Brin und Larry Page, sind nach Florida gezogen. OpenAI erwägt, dem Staat eine Beteiligung von 5 Prozent anzubieten – ein Versuch, politische Deckung zu kaufen. Der Investor Roelof Botha sagt: „Die gefährlichsten Worte der Welt sind: Ich bin von der Regierung und will helfen.“ Skepsis gegenüber staatlichen Lösungen ist tief verankert. Wenn freiwilliges Geben versiegt, wächst der Druck. Rimer sieht die Verantwortung bei seiner Branche. Es geht um Moral. Seine Kinder sprechen mit Misstrauen über Tech-Firmen – wie frühere Generationen über Rüstungskonzerne oder Tabakhersteller. Ein Weckruf.

Was bedeutet das? Der KI-Boom schafft beispiellose Reichtumskonzentration. Die Frage der Umverteilung bleibt. Tech-Unternehmer sollten überlegen, wie sie ihren Reichtum fair teilen – bevor die Politik es tut. Freiwillige Weitergabe ist besser als erzwungene Besteuerung. Rimer hat das verstanden. Er hofft, dass andere in der Branche es auch begreifen. Es hängt von ihrer Einsicht ab. Und davon, ob wir als Gesellschaft Druck machen, damit KI allen nützt. Kurz: Technologie ohne Verantwortung spaltet. Spaltung ist nie nachhaltig.

Quelle: techcrunch.com

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Sebastian Krötzsch
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Sebastian Krötzsch

Sebastian Krötzsch schreibt auf sebask.de über Künstliche Intelligenz, Automatisierung, digitale Systeme und die Frage, was davon im Alltag wirklich nützlich ist. Ohne Buzzword-Nebel, dafür mit klarem Blick auf Praxis, Tools und echte Wirkung.