Du hast einen Kundenservice-Chatbot erlebt, der einen Rückruf verspricht – und nie zurückruft? Mitchell Hashimoto, Gründer von HashiCorp und Entwickler des Terminals Ghostty, beschreibt genau diese Begegnung mit Mitsubishi. Ein Chatbot nahm sein Anliegen auf. Sechs Monate später wartet er noch. Was damit geschah, bleibt unklar. Vermutlich wurde die Anfrage als „gelöst“ verbucht – ohne dass ein Mensch sie sah. Hashimoto sieht das als Symptom einer weltweiten Massenpsychose in Unternehmen.
In einem Essay legt Hashimoto offen, was viele ahnen: Die KI-Manie lähmt die Entscheidungsfähigkeit. Er sprach mit Hunderten Fachleuten – vom Handwerk bis zum Fortune-500-Manager. Das Muster ist überall gleich. Führungskräfte lassen keine rationale Diskussion über KI mehr zu. Mitarbeiter geben aus Angst Lippenbekenntnisse ab. „Man kann mit diesen Firmen nicht mehr vernünftig reden“, schreibt er. Wer klar sieht, lebt in Furcht und Frustration.
KI-Projekte scheitern – und niemand spricht darüber
Hashimoto fragt: Erzielen Unternehmen die massiven Produktivitätsgewinne, die sie verkünden? Die Antwort ist schwer zu bekommen. Alle Beteiligten haben ein Interesse an Verschleierung. Vorstände werden gefeuert, wenn sie die Wahrheit sagen. Ehrliche Mitarbeiter landen auf der Kündigungsliste. Consulting-Firmen leben von den Aufträgen. Hashimotos Team beobachtete 18 Monate lang KI-Projekte. Die Erfolgsquote: null Prozent. Kein Projekt brachte den erhofften Nutzen.
Woran liegt das? Unternehmen sind schlecht in Softwareprojekten. KI-Projekte erben diese Fehler und fügen eigene Risiken hinzu. Selbst technisch korrekte Projekte liefern nicht, was erwartet wird. Beispiel: Interne Chatbots, die niemand nutzt, weil die Dokumentation unzureichend ist. Ein Sprachmodell weiß nur, was aufgeschrieben wurde. Kundenservice-Chatbots entpuppen sich oft als Sackgasse. Projektverantwortliche vermeiden harte Kennzahlen wie Nutzung oder Kundenzufriedenheit. Sie präsentieren leicht manipulierbare Metriken. So entsteht der Anschein von Erfolg.
Glaube wird zur Pflicht
Noch beunruhigender ist die soziale Dynamik. In Unternehmen ab 500 Mitarbeitern hängt der Aufstieg am Bekenntnis zur KI. Es geht nicht um fundierte Vorschläge, sondern um Bekenntnisse. Auch Techniker äußern absurde Behauptungen. Hashimoto berichtet von einem Manager ohne KI-Hintergrund, der eine KI-Strategie für ein Milliardengeschäft entwarf – obwohl er nie ein KI-Tool benutzt hatte.
Es gibt Trittbrettfahrer. Aber die meisten sind überzeugt, nicht lügnerisch. Sie glauben, was sie sagen. Das macht sie gefährlicher als Betrüger. Wer wirklich glaubt, ist immun gegen rationale Argumente. Hashimoto erlebte einen Wendepunkt: Ein Unternehmer entließ seine besten Leute, weil sie ohne KI arbeiteten. Privat, ohne Ankündigung. Für Hashimoto war das der Beweis, dass die Verantwortlichen es ernst meinen. Sie verbrennen Geld für eine Ideologie.
Allianz der Skeptiker
Hashimoto findet Verbündete, auch mit unterschiedlichen Motiven. Der Sicherheitsexperte Thomas Ptacek stellt in einem eigenen Essay fest: „Tech-Manager schreiben den Einsatz von LLMs vor. Das ist eine schlechte Strategie.“ Beide sehen die Besessenheit als Ablenkung von wichtigen Aufgaben. Hashimotos Team bietet keine KI-Implementierung an. Verträge wären von OpenAIs Zusammenbruch unberührt. Er ist überzeugt, dass die Blase platzt.
Hashimoto rät zur Vorsicht. Nachfragen zu KI-Projekten ist sinnlos. Es gibt keine guten Antworten. Die falsche Frage macht dich zum Feind der Führung. Konzentriere dich auf solide Grundlagen: Datenstrategie, Produktivität, messbare Ergebnisse. Am Ende zählen Kundenzufriedenheit und funktionierende Produkte. Die Mitsubishi-Erfahrung: Ein versprochener Rückruf vertreibt Kunden.
Hashimotos Essay ist eine Bestandsaufnahme. Eine gut gemeinte Technologie wird durch blinden Hype zur Gefahr. Die Botschaft: Nüchtern hinschauen, Erfolge hinterfragen, sich nicht blenden lassen. Die Manie wird nicht ewig währen, aber sie richtet jetzt Schaden an. Klarer Blick hilft, die schlimmsten Folgen zu vermeiden.
Quelle: hermit-tech.com
