Du kaufst eine teure Küchenmaschine, aber hast kein Rezept und keine Ahnung, wie sie funktioniert. Was bringt dir das Gerät? Nichts. Mit KI-Modellen ist es ähnlich. Unternehmen hören ständig von neuen Sprachmodellen. Entscheidend ist nicht, welches das beste ist, sondern wie sie es gewinnbringend einsetzen. Hier liegt ein Milliardengeschäft, das jetzt Gestalt annimmt.
Anthropic, das Labor hinter Claude, hat mit Blackstone, Hellman & Friedman und Goldman Sachs ein Joint Venture gegründet: Ode. Die Firma soll KI in Unternehmen implementieren. 1,5 Milliarden Dollar schwer, versteht sich Ode als Übersetzer zwischen Technologie und betrieblicher Realität. Die Beteiligung der Private-Equity-Häuser ist kein Zufall. Sie wollen ihre Portfoliounternehmen produktiver machen und sehen in Ode den Schlüssel dazu.
Die Idee entstand bei Blackstone. Der Finanzinvestor sah, dass große Beratungshäuser und kleine KI-Boutiquen oft an der Umsetzung scheiterten. Eine Boutique, Fractional AI, stach hervor. Ode übernahm Fractional und machte sie zum Kern. Fractional hatte zuvor mit OpenAI zusammengearbeitet. Chris Taylor, CEO von Ode und Mitgründer von Fractional, sagt: „Wenn wir richtig umsetzen, könnte dies irgendwann ein Billionen-Dollar-Unternehmen werden.“ Nicht das Modell ist der Hebel, sondern die Dienstleistung drumherum. Taylor betont: Nicht-KI-Unternehmen können große Gewinner sein, wenn sie die Technologie richtig adaptieren.
Ode beschäftigt rund 100 Ingenieure. Das Team arbeitet eng mit Anthropics angewandter KI-Abteilung zusammen, um maßgeschneiderte Systeme zu entwickeln. Anders als reine Beratung geht es um technische Umsetzung: Code, Integration, Testing. Ein idealer Kunde ist ein Unternehmen, dessen CEO persönlich von der KI-Transformation überzeugt ist. „Vieles, was wir tun, ist die oberste Priorität des CEOs“, sagt Taylor. Es geht um die wichtigsten Produktfeatures der nächsten zwei Jahre oder die Neugestaltung zentraler Geschäftsprozesse. Das ist kein Experiment am Rande. Die Private-Equity-Partner führen ihre Portfoliounternehmen als Kunden zu, doch der Markt steht allen offen.
Eine Besonderheit: Ode arbeitet „Claude-first“ mit Anthropics Technologie. Aber die Firma ist nicht dogmatisch. Wenn ein anderes Modell besser passt, wird es genutzt. Eddie Siegel, Chief Technologist bei Ode, erklärt: Die Modellauswahl sei nur eine Zutat in einem komplexen System – vergleichbar mit der Wahl zwischen Python und Java. Nicht unwichtig, aber nicht entscheidend. Die wahre Kunst liegt in der Qualität der Implementierung. Siegel spricht von „erwachsenen Ingenieuren“ – Spezialkräften, die ein Problem von Anfang bis Ende verstehen und lösen können. Über die Hälfte des Teams sind ehemalige Gründer, die unternehmerisch denken gelernt haben. Diese Denkweise erinnert an die alte Schule der Softwareentwicklung, wo man das volle Problem löste.
Quelle: techcrunch.com
